DAS LETZTE BILD

Ich erinnere mich an den letzten Blick auf meinen Vater

Ich erinnere mich an den letzten Blick auf meinen Vater.

Aufgebahrt strahlte er eine friedliche Ruhe aus, die Last des Sterbens war von ihm abgefallen und ich hatte das tröstende Gefühl, dass es für ihn gut ist, da zu sein, wo er sich befindet. Meine Angst vor dieser letzten Begegnung war unbegründet und die Erinnerung daran tröstet mich heute noch.

Ich traute mich damals nicht ein Foto zu machen, es schien mir dem Augenblick nicht gerecht zu werden. Obwohl, oder vielleicht gerade weil Fotografie mein Beruf ist.

Zwei Jahre später sehe ich das anders.

Auch wenn ich das letzte Bild meines Vaters noch in Erinnerung habe, gibt es Momente, wo ich froh wäre ein realeres Andenken an diese wertvolle und unwiederbringliche letzte Begegnung zu haben. Ein letztes Bild von meinem Vater, das nicht verblasst. Ein Bild, das auf mich wartet, wann immer ich es anschauen möchte.

Ich glaube, dass die vergessene Kultur der Totenfotografie für Angehörige einen wertvollen und zeitlosen Beitrag zur Trauerarbeit und Erinnerung anbieten kann. Stille und würdevolle Bilder, ein Gegenentwurf zu Handyschnappschüssen und Bilderflut.

Natürlich kostet es ein Stück Überwindung sich für eine allerletzte Fotografie zu entscheiden. Leider kann man diese Erfahrung nicht wiederholen, wenn sie vorschnell abgelehnt wurde. Gerne ermutige ich Sie dazu und freue mich über einen Austausch mit Ihnen.

KONTAKT

Judith Stadler
Röntgenstrasse 76
8005 Zürich
info@dasletzebild.ch
0041 (0)76 381 80 38

ÜBER MICH

Eigentlich wollte ich Ärztin werden, dann Regisseurin. Ein Psychologiestudium oder doch Künstlerin? Mein Fotografiestudium an der Ecole des Arts Appliquées vereinte diese Interessen und seit 1998 lebe ich als selbstständige Fotografin Zürich.

Nebst Auftragsfotografie

www.dasbild.ch

entstehen kontinuierlich persönliche Arbeiten.

www.judithstadler.ch

Nun kommt diese neue Seite dazu. Für mich genau so schlüssig wie meine gewachsene Berufsfindung. Das letzte Bild ist mir ein grosses Anliegen und ich wünsche mir dabei wirkliche Begegnungen. Mit Angehörigen, Ängsten und Trauer. Aber auch mit Trost, Mut und dem Leben.

TRADITION

Die Postmortem Fotografie hat, wie viele Riten rund um den Tod, eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert fand das gesamte Leben wie auch der Tod in unmittelbarer Familienumgebung statt und die Erfindung der Fotografie ermöglichte es einer breiteren Bevölkerung ein Bildnis des lieben verstorbenen Menschen erstellen zu lassen. Meist war es das einzige Portrait und es wurde als Andenken mit sich getragen. Nach den zwei Weltkriegen ist die Tradition der Postmortem Fotografie in die Tabuzone geraten und der Tod zum grossen Teil aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Die verschiedenen Rituale des Erinnerns erleben aber gerade einen Aufschwung. In Zürich werden zum Beispiel wieder Totenmasken gefertigt oder Fingerabdrücke Verstorbener in Edelmetall gegossen. Mit letzten Fotografien möchte ich die vergessene Tradition wieder erwecken und zeitgemäss anbieten.